Gemeinwohl-Ökonomie & Inklusion

von | 11. Mai 2018

Diese Keynote zu der Frage, was Inklusion und Gemeinwohl-Ökonomie mitein­ander zu tun haben, habe ich im Mai 2018 bei einer Veran­staltung zum Thema »Inklusion im Unter­nehmen – Selbst­be­stimmung in Arbeit?!« auf Einladung des Kompe­tenz­zen­trums Frau und Beruf OWL gehalten. Ich habe die Einladung gerne angenommen, denn beide Themen­felder – Inklusion und Gemeinwohl-Ökonomie – liegen mir besonders am Herzen.

Bei der Lebens­hilfe Minden e.V. leite ich das Projekt »besondere Geschwister« für junge Menschen, deren Bruder oder Schwester eine Behin­derung oder chronische Krankheit haben.

Und ich bin Koordi­na­torin der Gemeinwohl-Ökonomie-Regio­nal­gruppe Minden/Lübbecke.

(Un)Endliches Wachstum?

1972 – fünf Jahre nach seiner Gründung – brachte der Club of Rome mit »Die Grenzen des Wachstums« seinen ersten Bericht heraus, dessen Thesen

2009 durch das Stockholm Resilience Institut | SRI mit der Feststellung unter­mauert wurden, dass es neun Ökolo­gische Belas­tungs­grenzen – planetary bounderies – gibt, deren Überschreitung irrever­sible Umwelt­ver­än­de­rungen zur Folge haben können.

2010 erschien die »Gemeinwohl-Ökonomie« des Attac-Öster­reich-Mitgründers und Autors Christian Felber, dessen Buch einfach eine weitere seiner zahlreichen Publi­ka­tionen hätte werden können, statt dessen aber das erste Wirtschafts­modell wurde, das zu einer inter­na­tio­nalen Bewegung wurde und seither von einer breiten Basis getragen und weiter­ent­wi­ckelt wird.

Gewinn am Gemeinwohl messen

Geht es nach der GWÖ, dann soll Wirtschaften und Handeln von Unter­nehmen, Organi­sa­tionen und öffent­lichen Verwal­tungen mit all ihren Bezugs­gruppen oder »Stake­holdern« an diesen vier Grund­werten gemessen werden:

  • Menschen­würde,
  • Solida­rität und Gerech­tigkeit,
  • Ökolo­gische Nachhal­tigkeit sowie
  • Trans­parenz und Mitbe­stimmung

Und auch wenn die Zuordnung der 17 SDGs hier und da vielleicht genauso gut auch anders sein könnte, wird an unserer »begeh­baren« GWÖ-Matrix gut sichtbar, was die Gemeinwohl-Ökonomie zur Umsetzung der Agenda 2030 beitragen kann.

Was ist GWÖ?

Dieser Erklärfilm von Karls­ruher Student·innen bringt das Anliegen der GWÖ auf den Punkt: Werte­ori­en­tiertes Handeln und Wirtschaften ist eine Bedingung für buèn vivìr – das gute Leben für alle auf einer heilenden Erde. (zum Abspielen des Videos bitte auf das Bild klicken)

Dafür braucht es politische Rahmen­be­din­gungen, die z.T. erheb­liche syste­mische Verän­de­rungen erfordern. Aber welche?

 

Eine Stadt von Morgen

Zwölf Kinder und Jugend­liche zwischen 7 und 19 Jahren aus dem Projekt besondere Geschwister haben Anfang 2017 an einer Etappe der Mindener Zukunfts­Werk­statt anno2039 teilge­nommen. Das Thema lautete »Stadt der Zukunft«.

Mit einer Traum­reise wurden die Teilnehmer·innen an die Frage heran­ge­führt:

»Wie sieht Deine Stadt aus, wenn Du morgens wach wirst und genau weißt: Deinem Bruder/Deiner Schwester mit einem Handicap geht es so gut in ihrem eigenen, selbst­be­stimmten Leben, dass Du Dich vollkommen unabhängig von ihm oder ihr um die Entwicklung Deiner Begabungen und Neigungen kümmern kannst ?«

Als Antwort haben diese beson­deren Geschwister ein inklu­sives Innen­stadt­konzept entwi­ckelt, das das Potential eines Experi­ments hat, wie Kate Raworth es vorschlägt.

Ein wichtiger Indikator der Kinder und Jugend­lichen für eine solche Stadt war, dass ihre gehan­di­capten Geschwister einen vollwer­tigen Arbeits­platz haben, in dem sie sich mit ihren Fähig­keiten und Einschrän­kungen einbringen und entfalten können wie alle anderen Menschen auch.

Werteorientierter Mittelstand

Ostwest­falen-Lippe ist ein starker Wirtschaftsraum. Viele mittel­stän­dische Unter­nehmen leben eine an Fairness und Nachhal­tigkeit ausge­richtete Firmen­phi­lo­sophie und würden davon profi­tieren, wenn die Orien­tierung an den vier Werten der Gemeinwohl-Ökonomie ein durch Standards abgesi­cherter Wettbe­werbs­vorteil wäre.

Die Gemeinwohl-Bilanz ist als Grundlage für einen CSR-Bericht von der EU anerkannt. Um den Einstieg für Unter­nehmen zu erleichtern, die weniger als 500 Mitar­beiter haben und daher keinen CSR-Bericht erstellen müssen, gibt es eine Kompakt­bilanz, die mit vergleichs­weise geringem Aufwand und Kosten erstellt werden kann aber dennoch ein ausge­zeich­netes Instrument darstellt, um werte­ori­en­tiertes Handeln innerhalb des Unter­nehmens konti­nu­ierlich zu fördern und nach außen sichtbar und vergleichbar zu machen.

Gelebte Vielfalt

Der Begriff Inklusion kommt in der GWÖ-Matrix und dem dazuge­hö­rigen Handbuch nicht vor. Statt wird das Ziel an der Matrix-Schnitt­stelle C1 – Menschen­würde am Arbeits­platz – so umschrieben:

»Ein GWÖ-Unter­nehmen sieht Diver­sität als Ressource.«

Klar, denn echte Inklusion bedeutet gelebte Vielfalt.

Und zu den C1-Indika­toren für Menschen­würde am Arbeits­platz im Zusam­menhang mit Inklusion gehört

»… demogra­phische Verteilung der Mitar­bei­tenden im Hinblick auf Dimen­sionen der Diver­sität, … u.a. körper­liche oder psychische Einschrän­kungen …«

 

Mit Vielfalt punkten

Wenn sich Menschen mit Handicaps im Unter­neh­mens­alltag als gleich­wertige und berei­chernde Mitar­bei­te­rinnen erleben können – wie zum Beispiel bei HALFAR® Systems GmbH , der Gastge­berin dieser Inklu­si­ons­ver­an­staltung oder bei der Podiums­teil­neh­merin VeraVeggie System­kon­zepte  – dann wird dies in der Matrix als »vorbildlich« und mit einer hohen Punktzahl bewertet.

GWÖ-Region OWL

Keine Region in NRW ist so gut aufge­stellt wie OWL, wenn Sie nach Koope­ra­ti­ons­partnern für eine Gemeinwohl-Bilan­zierung suchen:

  • GWÖ-Regio­nal­gruppen finden Sie in Bielefeld, Minden und Steinheim/Kr. Höxter
  • am Hochschul­standort Bielefeld unter­stützen Studie­rende der Fachbe­reiche Wirtschafts­wis­sen­schaften und Sozial­wesen Unter­nehmen bei der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz
  • und am Campus Minden ist die Gemeinwohl-Ökonomie ein Modul im Master­stu­di­engang Integrales Bauen und für die Wirtschafts­in­ge­nieure im Bachelor-Modul Marketing

Haben Sie Fragen zur Präsen­tation oder Interesse an einem Vortrag rund um das Thema Gemeinwohl-Ökonomie?

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